04.02.2011

Gebet

Der Vater betete:
»... der du bist im Himmel.«

Und der Sohn fragte:
»Ist Gott gestorben?«

03.02.2011

An der Haltestelle wartet die junge Frau. Jetzt kriegt sie das Gefühl, der Bus kommt nicht, obwohl er kommen wird und sofort kommen kann. Es regnet auf die junge Frau und die Dinge umzu.
Über die Straße kommt ein Mann, er hat einen Schirm. Sein Schirm ist groß. Sein Schirm ist schwarz. Er steht mit dem Schirm unweit der jungen Frau, die sich auf der Welt nichts mehr wünscht, als dass er nicht kommt und ihr einen Platz unter dem Schirm anbietet. Doch er kommt, er lächelt, er kommt. Er bietet ihr einen Platz unter dem Schirm an. Sie stellt sich dazu und steht jetzt mit dem Mann unter dem Schirm. Sie spricht nicht. Er spricht viel.
Sie ist eingesperrt unter dem Schirm. Der Schirm ist groß. Der Schirm ist schwarz. Und es regnet in einem fort auf die Dinge umzu.

02.02.2011

Kehr aber wieder

Der letzte Tag
war gestern
und ich so traurig
die Sonne nie weißer

Bis Du
Entfernte
aufgehst
wollte ich weinen

weinen
und weinen
immer mehr weinen
und dann

nie wieder
aufhören.

30.01.2011

The last surviving veteran of any particular war, upon his or her death, marks the end of a historic era. Exactly who is the last surviving veteran is often an issue of contention, especially with records from long-ago wars. The »last man standing« was often very young at the time of enlistment and in many cases had lied about his age to gain entry into the service, which confuses matters further.

An der Innenseite seiner Zellentür
sieht der Häftling ein Schild hängen:
»Bitte nicht stören!«

26.01.2011

Und er wusste:
So tief wie er war
konnten sie nicht mal sinken.

25.01.2011

Abends, irgendwann

Junge Frau und junger Mann
kommen nach Hause
und rechnen mit nichts.

Nicht mit der toten Greisin
auf ihrem Balkon.
Nicht mit dem Blut an den Stühlen.

Sie hat sich aus dem Fenster gestürzt.
Die Greisin. Aus dem dritten Stock.
In den ersten. Warum, weiß keiner.

Sie rufen die Polizei. Da ist die Frau.
Ja. Reden Sie darüber,
sagt die Polizei. Das hilft.

Dann kommt der Leichenwagen.
Die Greisin wird hinunter getragen.
Aus dem ersten Stock. Den Rest.

Das Blut müssen sie selbst wegwischen.
Der zweite Mensch gibt sein vorletztes Hemd.

23.01.2011

Selbst der Müdigkeit gegenüber
noch gleichgültig.
Wie ein Fremder ohne Land,
in dem er fremd sein könnte.
Ein Hund schaut, wenn er gekämmt wird, geradeaus.